PROMINENTE
ÜBER
SCHULDEN

Im Gespräch:
Josef Zotter, Schokolatier

Herr Zotter, was haben Sie aus dem Konkurs Ihres Unternehmens in jungen Jahren gelernt?

Dass da draußen im Wirtschaftsleben ein kalter Wind weht und man sich nicht von frühen Erfolgen blenden lassen soll. Wichtig ist es auch, zu seinen Fehlern zu stehen, nur dadurch können diese korrigiert werden. Sich selber anzulügen hilft rein gar nix.

Was würden Sie jemandem raten, der nicht mehr allein aus seinen finanziellen Schwierigkeiten herauskommt?

Unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Es hilft nicht, da herum zu stottern. Je schneller man den Tatsachen ins Auge schaut, desto schneller kann man wieder befreit arbeiten. Das Insolvenzrecht ist ein Recht wie viele andere Rechte auch . Ich möchte damit nicht sagen, dass jeder in den Konkurs schlittern soll, aber es sollte auch eine Kultur des Scheiterns geben. Es steht doch jede(r) irgendwann einmal davor – oder ist mittendrin.

Wodurch sind Ihre damaligen Schwierigkeiten entstanden? Wie konnten Sie sie letztlich meistern?

Wenn man von einer fixen Idee begeistert ist, begibt man sich automatisch in eine Gefahrenzone. Es heißt ja nicht umsonst: Unternehmen ist mit Risiko verbunden. Manchmal schlägt das Risiko prompt zu. Also erster Teil der Frage: Zuviel riskiert und prompt gescheitert. Teil zwei der Antwort: Das ist schon eine längere Geschichte, aber ich denke das Wichtigste ist, zu den Fehlern, die begangen wurden, zu stehen. Nicht alles glauben, was einem da draußen so erzählt wird, dass Schulden haben eh nix Schlimmes sei. Also das ist der Kapitalfehler: Schulden sind immer ein Risiko, auch Leasingverträge usw. Vielleicht ist es manchmal besser auf etwas zu verzichten als es unbedingt haben zu wollen. Das habe ich nach meinem Crash unbedingt gelernt.

Worauf legen Sie jetzt Wert, damit Ihr Unternehmen auch in schwierigeren Zeiten nicht die Balance verliert?

Ein Unternehmen – egal in welcher finanziellen Situation man sich gerade befindet – ist immer ein Risiko. Für ein kleines Unternehmen ist das Risiko nicht so groß, weil man ja selber das meiste macht und die Kosten im Griff zu halten sind. Aber wenn das Unternehmen größer wird, hat man auch Verantwortung für seine MitarbeiterInnen, LieferantInnen usw. Die setzt man nicht einfach von einem Tag auf den anderen vor die Tür. Also im Unternehmen bedeutet das: Eigenkapital schaffen und bestmöglich absichern. Privat heißt das eben auch vorsorgen.

Wie riskant ist das Unternehmerleben? Gehört Schuldenmachen Ihrer Meinung nach dazu, wenn man expandieren will?

Wie erwähnt ist Unternehmertum immer ein extremes Risiko, da braucht man nichts zu beschönigen. Wenn man schnell expandieren will, gehört Schuldenmachen wahrscheinlich dazu, wenn man das langsamer macht, ist es dementsprechend sicherer. Ich denke, wenn man ein Unternehmen gründet, gehört Schuldenmachen dazu, weil es ja nicht anders geht, wenn man nicht geerbt  oder sonst was geschenkt bekommen hat. Aber man sollte vielleicht am Anfang sehr dahinter sein, dass die Schulden so schnell wie möglich abgebaut sind und spätere Investitionen sollten besser aus dem Cash flow oder dem privaten Sparbuch finanziert werden können. Ich weiß, dass das nicht leicht ist. Genau das ist mir passiert: zu schnelle Erfolge können ganz schön gefährlich sein.



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